Winter Wonderland

Vermutlich das Ende

"Zu vergessen, wer man ist, wo man ist und ob man ist. Sich zu verlieren in dem Gedanken, dass alles vielleicht nur Ausgeburt der eigenen Phantasie ist, dass man sein Leben träumt. Man hält seine Hand in die Höhe, betrachtet sie: Sie ist umgeben von Licht, und das Herz schlägt wild, während man denkt: Ich träume, ich bin noch nicht einmal hier, ich existiere gar nicht. Dieser Gedanke, dass man nicht ist, ist allzu faszinierend."

Dies' Empfindungen erlangten meine Person ob der schlimmsten Augenblicke innerhalb meines Lebens ... der widerlichen physischen Berührungen eines Mannes ... der Sekunden, innerhalb dieser ich mich des Alters acht Jahre, zuvor ob des Anwesens meiner Tante ein Stück Torte verspeisend, erfreut ob des Schutzes mancher Bäume, vornüber beugte, den Finger in den Hals steckte, spuckte, um danach, lächeln, zuckersüss, meinen Weg zurück zu entdecken, tief befriedigt ob offensichtlich ausgezeichneter Künste des Schauspielens.

Damals entdeckte ich bereits die Erkenntnis, dass ich keinen NORMALEN Geist mein Selbst nennen dürfte. Wahnsinnig sei. Psychisch krank.

Und so wollte ich bereits dieser Augenblicke gerettet werden, sprach es aus, verunsichert ob meines eigenen Wesens, doch noch ein Kind. Und mein Vater fragte, sich der tiefen Ernsthaftigkeit ergebend: "Wovor?"

[Vor mir selbst.]

Ich habe es meinem Vater gesagt - recht unvermittelt, da er - nun - mein Vater ist - habe ich damit begonnen, ihm die Wahrheit zu erzählen. Ich nahm mich der Erläuterung all' jener Dinge an, welche mir schmerzhafte Belastung schenkten. Vergangenes, doch auch diese Situation entdeckte ihre Erläuterung, ich sprach unaufhörlich über Freundschaften, über die mich nun erlangende Völlerei, über das Ausspeihen, "fröhlich vor mich hin schwadronierend". Womöglich habe ich mich eines Fehlers angenommen.

Ich hege die Furcht, dass mich mein Vater des vergangenen Tages wirklich kennen lernte. Nie würde ich mich der Vorwürfe ob seiner Person annehmen. Meine Eltern waren/sind wunderbare Menschen, mein persönliches Umfeld besitzt keinen aussergewöhnlich entsetzlichen Umstand - ich wäre nur offensichtlich der klügeren Wahl eines vollkommen differenzierten Wesens entstanden.

Dennoch habe ich inmitten dies' verrückten Taumels, dieser nie gänzlich gelingenden Flucht vor meiner Person Glück wahrgenommen. Wirkliches Glück - des sich des ersten Augenblickes zeigenden Tages innerhalb meines Lebens.

Ich nahm mich der Überzeugung an, dass ich mich meiner Probleme nun wirklich annehmen könnte - ja, ich war WIRKLICH glücklich ...

... und nun?

Vielleicht soll es nicht sein. Kaum schenkte mir mein Vater die Mitteilung, dass ich mir diese Reise ... nun ... nicht leisten könnte, nahm ich mich keiner Worte mehr an. Ich floh, und nun wandere ich sinnlos umher, verspüre nicht den Drang, zu speisen, verspüre nicht den Drang, mich zu übergeben, verspüre nicht den Drang, weiterhin mein Leben zu erhalten, verspüre nicht den Drang, mich umzubringen, verspüre nicht den Drang, zu atmen, verspüre nicht den Drang, mich meiner Familie zu zeigen, verspüre nicht den Drang, zu sprechen, verspüre nicht den Drang, zu fühlen ... und doch erreichen mich Schmerzen, welche drohen, mir den Atem zu rauben. Tränen fliessen, fügen sich mit dem Regen zusammen - er verleiht mir einen Schutz.

Ich empfinde überwältigende Hilflosigkeit ob dieser Situation [Wie gilt es zu handeln? Wo soll ich hin? Wo bin ich? Wie soll mein Leben weiter gehen?], ob meines Lebens allgemein, und wünschte mir nur, mich an jemanden anlehnen zu dürfen. Keine Worte - die Hilflosigkeit liesse sich ohnehin keines Wortes kleiden -, keine Anrufe, nichts ... ausschliesslich die Anwesenheit einer Person, der passenden Person.

Ich ... weiss nicht mehr, wie mein Leben weiterhin verlaufen soll.

Womöglich sollte ich mich umbringen. Ich verspüre nicht dies' Drang, doch welch' weiterer Weg bietet sich mir noch an?

30 Kilogramm.

29.8.07 14:45

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