Winter Wonderland

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Kampf gegen die Windmühlen

Die Einsamkeit ... ich gehöre nur in die Einsamkeit. In die Dunkelheit, in die Leblosigkeit und in den Schmerz. Denn dies allein' ist mein Zuhause, das habe ich heute gespürt. Ich fühle mich nur wirklich wohl ausserhalb dieser Welt. Im Schwarzen, weg von allem Leid ... aller Sehnsucht ... und aller Verzweiflung. Und darauf hätte ich von Beginn an zurückgreifen sollen. Aber ich war egoistisch, entsetzlich egoistisch, feige - und verzweifelt. Verzweifelt auf der Suche nach Gleichheit, nach Freundschaft und nach wahrer Zuneigung. Und weil ich nicht dazu bereit war, mein Schicksal zu akzeptieren, habe ich einem unschuldigen Menschen weh getan. Ich könnte verstehen, würde sie mich hassen, was sie auch tun wird. Weshalb habe ich nicht von Beginn an erklärt, dass sie ihre Zeit nicht mit mir verschwenden soll? Dass ich ihr so gerne Freundschaft bieten würde, aber es nicht kann - nie können werde? Auch wenn ich sie mag, und sie mich mag. Ich war feige. Unverzeihbar feige und bequem. Weil ich die Zuwendung und die Aufmerksam gierig in mich eingesogen habe, den Augenblick der Freude genossen habe, ohne einen Gedanken an die Zukunft zu verschwenden. Das war unverzeihbar, aber ein Hilfeschrei. Die Wahrheit sagt jedoch, dass unsere Freundschaft nie bestehen wird. Weil ich mein grösstes Geheimnis nie aussprechen werden kann. Manchmal, in meiner tiefsten Verzweiflung, hecke ich Pläne aus, welche mir ermöglichen würden, das notwendige Vertrauen aufzubauen ... naive, der Realität nicht würdige Pläne, welche ihr nur Kopfschütteln entlocken würde - berechtigt. Aber ich bin voller Sehnsucht, und sehnsüchtige Menschen flüchten sich in Träume, auch wenn sie immer dies sein werden - Träume. Und damit hätte ich mich bereits vor Jahren abfinden müssen, wie es meine Familie getan hat. Aber ich habe nach dem Tod meiner Grossmutter nach mehr gesucht - aus unendlichem Trauer heraus, und aus einem ungemeinen Verlustgefühl heraus des Umstandes, jemanden zu haben, dem gegenüber man die Wut und die Verzweiflung gegenüber der Sache zeigen kann, und der einem in die Arme nimmt. Der die Wahrheit kennt und die Schwere der Situation erkennt. Doch ich hätte akzeptieren müssen. Denn was ich an Freude erlebt habe, werde ich mit unendlichem Schmerz vergüten müssen. Und ich wusste das. Ich wusste es und habe den Augenblick genossen. Im Bewusstsein, dass es nie eine Zukunft geben wird. Und ich war nicht mutig genug, um es meinem Gegenüber einzugestehen. Weil sich mein Herz in Fantasien geflüchtet, die es in Ungnade als durchsetzbar, als möglich dargestellt hat und es noch tut. Mein Verstand sagt mir jedoch, dass meine Heimat die Einsamkeit bleiben wird. Denn weshalb sollte sie meinen Plänen folgen? Sie wird sich von mir abwenden, ihre Mühen als verschwendet ansehen - genau das würde ich auch tun. Es geschieht in ihrem Recht. Und es wird geschehen. Denn so sehr sie auch Zuneigung empfinden kann für mich, wird sie doch nie begreifen, was hinter alledem steht. Für mich ist sie ein Abbild meiner Seele, eine Gleichheit. Ein Spiegelbild. Jemand, der denkt und fühlt, wie ich es tue. Wogegen ich für sie ... eine Freundin bin? Nun noch, bald sicher nicht mehr. Aber ich kann nicht Opfer und Verständnis von einem Menschen erwarten, der die Kraft hinter "der Sache" nicht zu erfassen vermögen wird. Doch nicht nur sie wird in der Zeit unserer Freundschaft gelitten haben. Auch ich habe gelitten. Wenn sie meinen Schmerz erkennen würde, könnte sie daraus die Zuneigung ermessen. Doch welche Worte hätte ich verwenden sollen, meiner Familie gegenüber? Halt? Stopp? Ich WILL nicht mehr? Ich ... kann nicht mehr? Dies habe ich ihnen mit acht Jahren mitgeteilt, worauf sich meine Grossmutter meiner angenommen hat. Sie drängte mich nicht, meine Entscheidung zu widerrufen, ja, sie hat dies' Thematik nicht angebrochen, sondern mich nur getröstet, mit wärmender Zuneigung umfasst. Doch nun stehe ich erneut vor einer Situation, der solche Worte gerecht wären. Und niemand ist mehr hier. Nun muss ich Entscheidungen selbst treffen. Doch welche sind die Richtigen? Weshalb fallen Entscheidungen nicht vom Himmel, wenn man sie braucht? Nun, ihre Reaktion wird erfolgen, und ich sehe sie vorher, wie ich treffsicherer nie dazu befähigt wäre. Sie wird mich als Freundin "abschreiben" - berechtigt. Könnte sie jedoch nur einen Blick in mein Herz wagen, so würde ihr bewusst werden, dass meine Worte der Zuneigung nie erschwindelt waren - ja, dass sie nie dazu befähigt waren, die empfundene Tiefe und Grösse tatsächlich zu umschreiben. Und in diesem Leiden flüchtet sich mein Herz in Illusionen ... wo es meine Hoffnung füttert, mir erklärt, dass meine Lage sich nicht in solcher Unmöglichkeit darstelle, wie ich es mir ausmale, dass meine Ideen in ihrer Funktion nicht scheitern müssten, dass sie Verständnis hätte, mich in solcher Kraft mögen würde, wie ich sie möge ... da widerspricht mein Verstand voller Elan, erläutert mir, dass sie nach Entdeckung dieses Beitrages ihre Gefühle mir gegenüber innerhalb weniger Momente vernichten würde, meinen Worten keinen zweiten Gedanken widmen würde. Doch was wird zutreffen? Weshalb kann mein Problem nicht seine Lösung selbst entdecken, da sie uneingeplant vor meiner Tür stehen wird, eine Lüftung des Geheimnisses unausweichlich bleiben kann? Weil ich eine schlechte Freundin war und dieses Aufwandes nicht wert bin. Deshalb werde ich meine Koffer füllen, meine Musik als einzige, treue Begleitung wählen (zumal eines, nur wirklich eines der Lieder existiert, welches mein Gefühl wirklich wiederzugeben vermag - ich wusste nicht, dass ein Solches wirklich sein Leben finden könnte. Aber es berührt mich, wie kein Lied davor und danach jemals es ermöglichen könnte), und gehen. Ich werde mich der Dunkelheit in ihren schwarzen Stunden zuwenden, und sie wird mich gierig einsaugen ... willkommen heissen ... mir einen Platz in ihrer grossen Leere anweisen ... einen Platz, welcher bereits zwei Mal in meinem Besitz war. Der Tod meiner Grossmutter und der Tod meiner Mutter ... sie haben mich bereits an Orte geisterhafer Dämmrigkeit gelockt, und eben Diese wird sich erneut mit mir vereinigen, mich sehnsüchtig bei sich aufnehmen, da sie mir ihre Zuflucht nicht verwehren darf - nicht verwehren kann. Leblosigkeit, Stille in ihrer Vollkommenheit und Finsternis ... Finsternis, in deren Feld ich nur mich selbst erkennen kann. Ja, ich werde mich in diese Welt flüchten, wie ich es bereits als Kind zu versuchen pflegte ... die Orte bieten sich mir an. Einige Tage schenken sich mir, und werde ich zurückkehren, so wird sich die Situation mir darstellen, wie ich es erwartet hatte. Und dann wird sich der Schmerz in mir ausbreiten. Er wird Monate Besitz über meine Person erlangen und er wird meinen Körper zu einer toten, kalten Hülle machen. Er wird Gefühle der Zuneigung abtöten und sich selbst grösste Macht erschaffen. Er war bereits einmal in dieser Form gegenwärtig und nie war ich einer Depression näher denn innerhalb dieser Zeit. Nie war mein Leben so schwer. Und es wird diesen Zustand wieder erreichen. Weil ich einen Menschen zu sehr mögen gelernt habe. Weil ich gelernt habe, ihn als gemeinsames Wesen in einer Welt zu betrachten, die nie die Meinige war. Und weil er die Freundschaft mit mir zu einem raschen, schmerzhaften Ende bringen wird, berechtigt begründet mit tausenden Argumenten. Dennoch vergreife ich mich in erschreckend verzweifelten Kraft in meinen Ideen, erkenne Lösungen. Lösungen, die uns eine treue Freundschaft bewahren könnten. Lösungen, die nur das Bringen von Opfern meiner Person fordern würden. Lösungen, die uns ermöglichen würden, was uns nun durch verworrene Geheimnisse verboten bleibt. Doch kämpfe ich damit nur gegen Windmühlen, wie ich es in meinem Leben schon so oft in meine Bemühungen aufgenommen habe? Ich weiss es nicht. Ich warte resigniert auf das Unausweichliche, mich in die Vorläufe der Düsternis einsam zurückziehend, nur der Musik in ihrer Melancholie und dennoch verführerischen Schönheit als Spiegel meiner Seele entgegnend. Es tut mir leid. Könntest du mit denem Augenmerk nur einmal die Inhalte meines Herzens erblicken, du erlangtest sofort die Erkenntnis, wie lieb ich dich habe.

7.3.07 01:20, kommentieren