Winter Wonderland

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Aufgestaute Wut

Es ist sehr ungewöhnlich und erschreckend, wenn man bemerkt, dass die Dinge, auf die man Monate oder sogar Jahre hingearbeitet hat, nicht so angenehm sind wie erwartet.
Nun fühle ich mich unangenehm hilflos, weil ich wieder an dem Punkt stehe, an dem ich vor einigen Jahren bereits einmal stand - Was will ich mit meinem Leben anfangen?
Ich hätte nie damit gerechnet, mir diese Frage innerlich noch einmal zu stellen, und aus Sicht der Vernunft betrachtet brauche ich das auch nicht zu tun. Denn die Weichen sind gelegt, unveränderbar. Aber hat das nicht auch ein Leben zur Folge, in dem ich nie wirklich glücklich werden kann? Ist das am Ende etwa doch unvermeidbar? Weshalb habe ich nur nicht im Alter von 11 oder 12 Jahren SÄMTLICHE Möglichkeiten in Betracht gezogen, die mich interessieren könnten? Soll ich mich tatsächlich nach 20 Jahren noch einmal auf die Suche danach begeben, wie mein Leben aussehen soll? Um Missverständnisse vorzubeugen: Hier spreche ich nicht unbedingt vom Beruf, der mir vollkommen gefällt und den ich mir nicht anders vorstellen könnte: Es stehen die Freundschaften, es steht die Liebe, es steht all das, was ich ausserhalb meines Arbeitsalltages zu tun gedenke im Vordergrund. Lohnt es sich denn überhaupt, sich zurückzuziehen? Allen zu sagen: "Halt. Ich brauche eine Pause - Einen Neubeginn!" Wird mir diese Zeit, die ich zum Nachdenken zu benutzen gedenke, überhaupt sinnvoll erscheinen? Oder ist die Frage nach der Lebensplanung eine, auf die kein Mensch auf der Erde eine befriedigende Antwort kennt? Ich bin heute Morgen um etwa 3 Uhr eingeschlafen, brütend über einer Frage, die sich entweder einem gegensätzlichen, oder vielleicht auch einem mit den oben erwähnten Fragen verbundenen Problem zuwendet. Werde ich von meinen Freunden gemocht? Benehme ich mich angemessen? Oder schütteln Alle hinter meinem Rücken nur überrascht und ein wenig angewidert den Kopf, weil sie mich für was weiss ich halten? Bin ich überhaupt etwas wert, oder verbleibe ich etwa als der einzige Mensch dieser Erde, der sich nur seinen Studien widmet, genau weil er weder freundlich noch witzig, klug noch "besonders" ist, und die Bücher und Daten sich niemandem verwehren, egal wie gewöhnlich er ist?
Ich hätte dieses Thema sehr gerne ausdiskutiert, mich beruhigen lassen. Aber es war niemand da, der mich in seinen Armen hielt. Niemand der mir sagte, ich sei wertvoll und schätzenswert, wie ich bin. Niemand, der mir Trost spendete.

… gibt es dort draussen jemanden, der mich mag? Und wenn dem nicht so sein sollte, weshalb sagt ihr es nicht frei heraus? Wenn ihr lieber unter euch bleiben wollt und ich fehl am Platze bin, weshalb könnt ihr dann nicht ehrlich sein? Es ist schmerzhafter, sein Herz auf die eine oder andere Weise jemandem zu schenken, der es – wenn auch – unbeabsichtigt, immer wieder verletzt und es irgendwann zum Bersten zwingt, als sich von Anfang an mit der Tatsache abzufinden, nicht gemocht zu werden, und sich in sein Kämmerchen zurückzuziehen. Weshalb kann ich mich nicht damit abfinden, dass ich kein Mensch bin, der es wert ist, gemocht zu werden? Es gibt nun einmal Einige, die weniger als Schmutz sind… Die es verdienen, ignoriert zu werden. Die es verdienen, sich in einer Ecke in der Dunkelheit verkriechen zu müssen, während auf der anderen Seite die, die so wertvoll und liebenswert sind, in hellem Glanz erstrahlen. Was ist mit den Versprechen, die ihr gebt? Ihr brecht sie, amüsiert euch stattdessen mit euren Freunden und Bekannten, um dann herzukommen, als wäre nichts geschehen. Glaubt ihr wirklich, das habe ich nötig? Auch ich habe meine Würde. Und ich habe kein Mitleid nötig, frei nach der Einstellung: „Mir ist langweilig. Ach… Ich mach’ wieder etwas mit Ellie.“ Irgendwann werde ich nicht mehr da sein, und wenn es euch dann egal ist, und ihr euch einen anderen Zeitvertreib sucht, soll es mich auch nicht mehr jucken. Um zu lesen, brauche ich keine menschliche Zuneigung. Um Eis zu laufen, brauche ich sie auch nicht. Und auch für meine Studien nicht. Nein. Und wenn ihr glaubt, ich wäre nicht gut genug für euch, lasst euch bitte sagen, dass ich mir dessen bewusst bin. Und das ich dazu nur einen Satz sage: „Ihr könnt mich mal kreuzweise. „ Ich habe Fehler. Ja. Womöglich sogar ausserordentlich viele Fehler. Aber das gibt euch kein Recht, mit mir zu spielen. Und selbst wenn ich den Club der Versager gründen werde, um als einziges Mitglied zu verkümmern, gibt euch das KEIN Recht, mir weh zu tun.

1.3.06 19:51, kommentieren